Ehrlichkeit datet nicht

Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich für mich einen Entschluss gefasst habe, über den ich erst heute schreiben kann und will. Warum erst heute? Ganz einfach, weil ich vor kurzem damit aufgehört habe. Womit? Mit Cheaten.

Always Kiss Me Goodnight von Courtney Carmody on flickr.

Foto: Always Kiss Me Goodnight von Courtney Carmody on flickr.

Dazu muss man wissen, dass ich nett sein kann, aber nicht muss. Um genau zu sein, kann ich ein ziemliches Arschloch sein. Und liebe es, das auch zu tun. Kostproben gefällig?

Im Club
SIE (sieht aus wie Anfang 20) „Wie alt schätzt Du mich?“
ICH „Hm, Mitte 30“

Spät Nachts
SIE „Lass uns mal telefonieren“
ICH (schon ziemlich blau): „Hey ich will Dich ficken, nicht mit Dir telefonieren“

Beim Streeten
ICH „Hey Du, warte mal“
SIE (hübsch, aber ziemlich von sich eingenommen, gelangweiter Tonfall) „Jaaa“
ICH „Ach ne, vergiss es“

Erfolg = Null

Jedes Mal ein riesen Ankommer bei den Mädels, jedes Mal ein riesen Lacher bei meinen Jungs. Mein Erfolg mit dieser Art von Ehrlichkeit? Genau: nix, nada, null, fuckin‘ zero.

Irgendwie absehbar, stimmt. Aber so bin ich nun mal. Meine Lösung: Kreide fressen, nicht mehr authentisch sein, das Arschloch verstecken, lügen, was die Balken halten.

Natürlich wollte ich immer noch Sex, aber keine Beziehung, meine Bereitschaft, treu zu sein hielt sich nach wie vor in engen Grenzen, eingebildete Schnepfen gingen mir immer noch tierisch auf den Zeiger und selbstredend war ich in meinem tiefsten Inneren das gleiche Arschloch, wie vorher. Aber das muss man ja nicht immer gleich am Anfang rauslassen. ‚Am Anfang’ bedeutet dabei ‚bevor man mit ihr im Bett war’.

Frauenversteher

Also habe ich angefangen mich zum Frauenversteher weiterzubilden. Was wollen die Frauen (wirklich), was bewegt sie (wirklich), was suchen sie bei einem Mann (wirklich) und was wird den Mädels im Internet so über uns erzählt. Dazu gibt es mehr als genug. Vieles ist Bullshit, manches nicht, bei manchen Sachen denkt man sich „Jaaaa, Mädels lest das“ (schönes Beispiel: http://christian-sander.net/index.php/die-wahrheit-ueber-maenner).

Meine wenig überraschenden Erkenntnisse:

  • Frauen wollen in den seltensten Fällen einfach nur Sex, sondern (sie nennen es Nähe) einen Mann, der – zumindest auch – das Zeug zum Partner hat.
  • Frauen hassen plumpe Komplimente über ihr Aussehen oder (angenommene) Eigenschaften, aber sie lieben ehrlich klingende Komplimente für Ihr Outfit oder über Dinge, die sie gerade tun.
  • usw. usf.

An dieser Stelle kam nun die ganze Palette der Pickup-Werkzeuge zum Zug. Die Mädels bekamen genau das zu hören, was sie hören wollten. Sie hatten in mir endlich mal wieder einen Mann gefunden, bei dem sich ‚alles richtig anfühlt’ und ich hatte Sex. Mehr als genug. Alles gut also? Nicht ganz.

Unschöner Nebeneffekt waren die zahlreichen Trennungen, die ich erleben musste. Verbrannte Erde pflasterte meinen Weg. Und nicht alle gaben ihren ‚Traummann’ (also mich) einfach so verloren. Es kam zu manchmal wochenlanger Nachspielzeit, inkl. drei wirklich schweren Fällen (einer Stalkerin, einer Ich-bring-mich-um-wenn-Du-gehst-Kandidatin und einer, die gedroht hat, mir den Kachelmann anzuhängen).

Letztendlich habe ich auch dabei gewisse Routinen entwickelt. Ich habe einfach nicht mehr Schluss gemacht, sondern sie dazu gebracht, mit mir Schluss zu machen, indem ich je nach Ausgangslage für eine Weile den sexsüchtigen Frauenhelden, gedichte¬-schreibenden Schlappschwanz, geizigen Egoisten, ungewaschenen Chaoten oder oder oder gegeben habe.

Im Idealfall hielt sie die Trennung dann nicht nur für ihre eigene und also eine sehr gute Idee, sondern war sogar froh, mich endlich los zu sein. Perfekt.

Warum habe ich dann damit aufgehört? Ganz einfach: Wegen einer Frau. Eine, bei der die Ehrlichkeit-datet-nicht-Cheater-Masche so gar nicht verfing. Eine, die mich trotzdem durchschaut und das Arschloch in mir gesehen hat, die mir so lange eine Härte nach der anderen um die Ohren gehauen hat, bis sie es bekam, das Arschloch und mit der ich – nachdem das geklärt war – den geilsten Sex meines Lebens hatte.

Heute bin ich froh, dass ich nicht mehr Cheaten muss, denn es bleibt – Erfolg hin, Sex her –letztendlich ein Betrug an Dir selber. Abgesehen davon hält die harte Ehrlichkeit auf ganz natürliche Weise die falschen Frauen fern. Und das ist ja auch etwas Wert.

Merke: Was ist schlimmer, als keine Frau zu haben? Die Falsche! Aber das ist ein Kapitel für sich.

Michael S. Mauler ist digitaler Nomade und Weltenbummler mit Homebase in München. Er betreibt einen Blog zum Thema ‚Fremdgehen aber richtig’ und schreibt unter anderem Bücher, wie …

  • Auf den Spuren von Tim Ferriss & Co. – leben und arbeiten wo immer ich will
  • Geld verdienen im Internet immer nur die anderen
  • Sie sucht Ihn – wenn es immer die Falschen sind, macht der Richtige scheinbar einen Bogen um Dich
  • Kinderwunsch und Samenspender – Vater werden ohne Verpflichtung

Autor des Artikels: Gastautor

Gelegentlich lassen wir Spezialisten als Gastautoren zu Wort kommen, die dann über den Benutzer Gastautor im Blog veröffentlicht werden.

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